Einrichtung
Plan des Gettos Theresienstadt
Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 beherbergte das Gebiet des dadurch neu entstandenen „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ eine jüdische Bevölkerung von rund 118.000 Menschen, von denen während der ersten beiden Jahre der deutschen Besatzung etwa 27.000 auswandern oder fliehen konnten.
Am 10. Oktober 1941 fand im Beisein von Reinhard Heydrich eine Besprechung von SS-Offizieren statt, in der „die Lösung von Judenfragen“ im neuen „Protektorat“ und die Deportation und Gettoisierung der etwa 88.000 dort lebenden Jüdinnen und Juden erörtert wurden. 5.000 von ihnen sollten möglichst sofort nach Minsk und Riga, andere ins Getto Litzmannstadt abgeschoben werden. Hierzu sollte Theresienstadt (Terezin), das dem tschechischen Militär nach 1918 als Garnison gedient hatte, nunmehr einerseits als Durchgangslager, zugleich aber - zumindest temporär - auch als Sammellager zur Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung Böhmens und Mährens dienen. Hierbei unterstand es der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“.[1]
Plan des Gettos Theresienstadt (Quelle: Yad Vashem Fotoarchiv)
Als alte Garnisonsstadt galt Theresienstadt aufgrund seiner Festungsanlagen für eine einfache und zugleich komplette Abriegelung nach außen hin für die ihm zugedachte neue Funktion als besonders geeignet. Sie war in drei Einheiten gegliedert: Die „Große Festung“, die als eigentliche Garnisonsstadt und ab November 1941 dann als Getto diente, lag auf dem linken Ufer der Eger (Ohre), während die „Kleine Festung“ auf dem rechten Ufer des Flusses angesiedelt war. Die Große Festung hatte den für eine Garnison typischen Grundriss eines Schachbretts mit einem zentralen Platz und symmetrisch um ihn herum angeordneten Gebäuden. Sie umfasste eine achteckige Fläche von je 380 Metern Seitenlänge, wobei der Zugang durch drei Tore im Hauptwall erfolgte.
Standbild: Blick auf Theresienstadt (Quelle: Nationalfilmarchiv Prag)
Die etwa 7.000 christlichen Einwohner mussten die Kleinstadt im Herbst 1941 verlassen, woraufhin sie dann seit dem 24. November als „Transit-Getto“ zur vorübergehenden Unterbringung der jüdischen Bevölkerung aus Böhmen und Mähren diente. Bis zum Frühjahr 1943 wurde so ein großer Teil der 88.105 böhmischen und mährischen Jüdinnen und Juden, die bei einer Zählung am 17. Mai 1939 erfasst worden waren, nach Theresienstadt deportiert. Ende 1942 lebten hier etwa 56.700 von ihnen auf engstem Raum zusammengedrängt. Die übrigen waren bereits seit Anfang Januar 1942 mit ersten Transporten aus dem „Protektorat“ in die Gettos von Minsk und Litzmannstadt deportiert worden.
Fußnoten
[1] Die SS beabsichtigte Theresienstadt ursprünglich nur solange zu nutzen, bis die gesamte jüdische Bevölkerung aus dem „Protektorat“ deportiert war. „Von dort aus kommen die Juden nach dem Osten.“ Bereits Mitte Oktober 1941 sollte die Bewilligung für die Deportation von jeweils 50.000 Personen nach Minsk und Riga vorgelegen haben. Anschließend sollte Theresienstadt „deutsch besiedelt und somit zu einem Kernpunkt deutschen Lebens“ werden. (Zitiert nach Benz, Theresienstadt, S, 28ff.)