Häftlinge

Entgegen der ihm ursprünglich zugedachten Funktion wurden bereits seit November/Dezember 1941 immer wieder auch Juden und dann auch Jüdinnen aus dem Getto Lublin und dem gesamten Distrikt nach Majdanek deportiert. Am wurden am 24. April 1942 zwischen 2.000 und 3.000 Jüdinnen und Juden aus dem nahegelegenen kleinen Getto in Majdan Tatarski im Lager ein, das erst kurz zuvor nach der Liquidierung des Lubliner Gettos im Frühling entstanden war. Von den Neuankömmlingen wurden lediglich 120 bis 200 junge Männer für die Zwangsarbeit selektiert, während alle übrigen - zumeist Frauen, Kinder und alte Leute - im elf Kilometer von Majdanek gelegenen Wald von Krepiec erschossen und später - ab Frühjahr 1943 - auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Dieser Ort diente bis zur Fertigstellung der Gaskammern im KZ selbst als Exekutionsstätte für dessen Insassen und Jüdinnen und Juden aus dem Getto Majdan Tatarski.

Nachdem Himmlers am 19. Juli 1942 die Räumung der Gettos im Generalgouvernement bis Ende des Jahrs angeordnet hatte, wies die SS immer mehr Jüdinnen und Juden aus der Region Lublin sowie Bewohner der Gettos in Warschau und Bialystok nach Majdanek ein. Nur wenige von ihnen, die als „arbeitsfähig“ selektiert wurden, sollten in Zwangsarbeiterlagern der Rüstungsindustrie zusammengefasst und zunächst am Leben gelassen werden, während der weitaus größte Teil dieser Menschen umgehend im Lager ermordet wurde. Darüber hinaus wurden im Laufe der Zeit immer mehr slowakische, tschechische und slowenische Jüdinnen und Juden in das nun immer ausschließlich der Vernichtung dienende Majdanek deportiert.

Die nach den Angehörigen der jüdischen Bevölkerung zweitgrößte Gruppe unter den Häftlingen bildeten mit rund 35 Prozent nichtjüdische Polen, die als politische Häftlinge, aber auch wegen Vergehen gegen die Besatzungsmacht zu KZ-Haft verurteilt worden waren. Hierzu zählten beispielsweise auch Bauern, die ihre Abgabeverpflichtungen nicht erfüllt hatten, Personen, die bei Razzien aufgegriffen worden waren sowie Personen, die die SS als Vergeltung für Partisanenaktionen festgenommen hatte. Auch Einwohner aus der Umgebung von Zamość (Zamojszczyzna), die von den deutschen Besatzern vertrieben wurden, kamen ins KZ Majdanek.

Unter den Häftlingen des Lagers befanden sich Vertreter zahlreicher weiterer Nationalitäten - darunter Russen, Ukrainer, Weißrussen, Deutsche, Österreicher, Franzosen, Italiener oder Holländer. Außerdem wurden in Majdanek im Vergleich zu anderen NS-Lagern mit sechs Prozent verhältnismäßig viele Kinder unter 16 Jahren interniert.

 

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