Kriegsbeginn und neue Häftlinge

Spätestens mit dem Beginn des Krieges wurden alle gesetzlichen und administrativen Normen abgeschafft, die die Gewalt der SS über Leben und Tod der Häftlinge bis dahin noch eingeschränkt hatten. Entlassungen aus Dachau wurden bis auf wenige Ausnahmen eingestellt. Allerdings änderte sich auch die Struktur der SS-Lagermannschaft. Aufgrund der Abberufung der SS-Wachmannschaften an die Front rückten nun ältere Jahrgänge der SS-Ersatzformationen nach.

Auch die Zusammensetzung der Häftlinge veränderte sich im Verlauf des Krieges mehrfach und grundlegend. So wurden ab Ende des Jahres 1940 die Priester aus allen Konzentrationslagern in Dachau zusammengelegt. Bis zum Ende der NS-Herrschaft belief sich deren Zahl auf insgesamt 2.720 aus 20 Nationen, wobei 1.870 polnische Priestern die absolute Mehrheit stellten. Die zweitgrößte Gruppe waren 447 die deutschen, gefolgt von 156 französischen und 109 tschechischen Geistlichen. 1.034 wurden in Dachau ermordert, wobei auch hier Polen mit 830 die weitaus meisten Opfer stellten.

Eine weitere bemerkenswerte Gruppe in Dachau internierte Gruppe waren die „Interbrigadisten“, die hier als „Spanienkämpfer“ bezeichnet wurden. Ein erster großer Transport traf am 1. Mai 1941 im Lager ein. Am 17.Mai 1944 befanden sich schließlich insgesamt 536 die Teilnehmer am Spanischen Bürgerkrieg in Dachau. Sie erfreuten sich aufgrund ihrer kämpferischen antifaschistischen Vergangenheit, wegen ihres unerschrockenen Verhaltens im Lager und wegen ihrer solidarischen Haltung mit den übrigen Häftlingen unter ihnen allgemein großer Beliebtheit.

Gefangene aus Ländern, die 1940/41 von der Wehrmacht besetzt worden waren, wurden anfangs nur vereinzelt oder höchstens in kleinen Gruppen in Dachau eingeliefert. In größerer Zahl kamen sie erst ab dem Jahr 1942 ins Lager. So zählte man dort Ende September 1943 lediglich rund 150 Franzosen. Massendeportationen aus Frankreich führte das NS-Regime erst im Sommer 1944 ein, als etwa vom 21. Juni 1944 aus Compiègne 2.140 Menschen nach Bayern deportiert wurden, denen weitere Massentransporte folgten - schließlich insgesamt 14.076 französische Gefangene -, wodurch sie zu einer der größten Gruppen in Dachau wurden. Kurz vor der Befreiung des Lagers am 26. April 1945 waren noch immer 5.387 Franzosen in Dachau registriert, von denen allerdings ein großer Teil in Außenlagern untergebracht war.

Die ersten 17 Belgier waren schon 1940 nach Dachau gekommen, aber es dauerte bis zum Sommer 1942 bis Einlieferungen in größerer Zahl erfolgten. Insgesamt durchliefen schließlich 1.756 Belgier das Lager. Im September 1943 kam dort dann ein erster Transport mit 1.857 italienischen Gefangene an. Zudem befanden sich kurz vor der Befreiung des Lagers 334 Griechen, 44 Albaner und auch Bulgaren im Lager. Hinzu kamen 21.198 Ungarn unter ihnen 17.604 Juden.

 

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